Qigong - ein Überblick

Qigong (sprich: tschi gung) wird heute als Sammelbegriff für eine breite Palette von Übungssystemen aus China verwendet. Wörtlich übersetzt bedeutet Qigong "Arbeit am Qi", also die Arbeit an unserer Lebensenergie, dem Odem.

Im Großen und Ganzen können wir drei Bereiche im Qigong unterscheiden, wobei zu erwähnen sei, dass all diesen Bereichen viele Aspekte gemein sind und sie oft nicht klar voneinander zu trennen sind:


Qigong zur Gesundheitspflege

Das heute gängigste Qigong sind Bewegungsübungen, welche das Ziel verfolgen, den Körper durchlässig zu machen und die Energieleitbahnen zu öffnen.

Im Unterschied zur normalen Gymnastik oder Sport haben wir hier den freien Energiefluss im Sinn und beziehen den Geist mit in die Übung ein. Wenn auch tendenziell mehr körperlich orientiert, so haben wir bei dieser Art von Qigong auch einen deutlich meditativen Charakter, weshalb man auch Bezeichnungen wie "meditative asiatische Sportarten" zu hören bekommt.


Qigong in der Kampfkunst

Heutzutage werden die inneren Kampfkünste oft mit Qigong in einem Atemzug erwähnt. Hier sei zu erwähnen, dass der Begriff "Qigong" erst in den 70er Jahren entstanden ist und heute auf eine sehr breite Palette von ursprünglich tantrischen und yogischen Übungen angewendet wird.

Qigong hat mit Kampfkunst zunächst nichts zu tun, jedoch kommt in den Übungssystemen der inneren Kampfkünste viele der Aspekte, welche wir heute aus dem Qigong kennen, zum Einsatz. Einer dieser Aspekte der inneren Kampfkünste ist, dass der Körper durch das Training sehr gut geöffnet werden kann, was sowohl eine Voraussetzung für die Kampfkunst darstellt, als auch für alle Gesundheitsfragen von großem Nutzen ist.

Im Chenstil Taijiquan lernen wir eine völlig neue Art, uns zu bewegen. Wir wollen die Fähigkeit zur Umwandlung von Kräften erlernen. Durch die dafür nötige Art der Bewegung öffnen sich alle Gelenke und Energie kann frei fließen. Begleitet wird dies von der Arbeit an der Körperstruktur, tiefen körperlichen und geistigen Entspannen und der Fähigkeit, den Körper frei und gelösten bewegen zu können.
Körper, Energie und Geist werden zunehmend als Einheit geübt, das eine bedingt immer auch das andere.

So gesehen haben wir einige Berührungspunkte mit diversen Qigong-Systemen, jedoch handelt es sich bei Taijiquan und Qigong doch um zwei verschiedene Dinge.


Qigong als spiritueller Übungsweg

Der Begriff "Qigong" ist auch in China relativ jung. Wenn man sich etwas eingehender mit der Chinesischen Medizin und den inneren Künsten beschäftigt, so stößt man schnell auf deren daoistische Wurzeln.
Man kann sagen, dass das ganze Wissen über energetische und geistige Zusammenhänge in der chinesischen Medizin aus den inneren Erfahrungen von spirituell Übenden kam.

Den alten Daoisten ging es dabei jedoch nicht nur um die Gesundheit. Ein langes Leben galt als Grundvoraussetzung dafür, spirituelle Verwirklichung zu erlangen - schon alleine der dafür notwendigen Zeit wegen.

In den daoistischen Übungswegen gilt ein vollständig geöffneter Körper als Grundvoraussetzung dafür, dass Meditation stattfinden kann. Deshalb werden Bewegungsübungen oft dafür benutzt, um alle Energieleitbahnen (Meridiane) zu öffnen - als Vorbereitung zum Sitzen, ganz ähnlich der ursprünglichen Bedeutung des Hartha Yoga.

Jetzt kennt man in der mannigfaltigen Welt der Qigong-Übungen zahlreiche stille Übungen ohne Bewegung, bei denen der geistige Einsatz eine größere Rolle spielt. Diese Übungen sollen zum Eintritt in die völlige Stille führen.

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